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Die Mechaniken des Himmels
Das KloHäuschen sieht sich die Sterne an.
 
Der New Yorker Künstler Stefan Hagen kommt nach München und lädt uns ein, zusammen mit dem KloHäuschen die Sterne zu beobachten.
 
Durch das Nord-Fenster vom KloHäuschen kann man - fast in Richtung des Polarsterns - die Sterne sehen. Sie sind da - auch wenn sie oft nicht zu sehen sind. Da gibt es Wolken - und auch wenn diese tagsüber nicht da sind, eben die Atmosphäre. Und auch in einer klaren Nacht in München sind da viele andere Lichter. So bringt uns Stefan Hagen zum Sterneschauen ein Sternenbild mit, das weitab von diesen Lichtern entstand: in der Wüste - Klasse 1 auf der Bortle-Skala. Für die Installation mit dem KloHäuschen und für den Blick durch Nordfenster hat er diese Aufnahme an die Jahres- und Tageszeit des Ortes angepaßt. Es ist ein Bild mit überwältigend vielen Sternen, im Abbild ist die Unterscheidung zwischen den ganz hellen und den hellen Sternen nicht mehr möglich, die Unendlichkeit der Menge wird uns bewusst, aber es wird auch klar wie verzweifelt der Versuch ist, All(es) zu zeigen.
 
Sprechen wir von Himmelsmechaniken, kommen wir zwangsläufig zur Beschäftigung mit der Entdeckung, die zu unserem modernen "Weltbild" führte: der Entdeckung der Jupitermonde durch Galileo Galilei in 1610. Sie war der Beweis, dass nicht alle Objekte um die Erde kreisen. Wir sind nicht das Zentrum, wir können aber daran teilnehmen und dieses Wunder beobachten.
 
In einer sich bewegenden Installation bringt Stefan Hagen diese Sterne - und in einem maßstabgetreuen und zeitgleichen Model die Jupiter-Monde in ihren Kreisen - mit ins KloHäuschen. Wir können die Sterne beobachten, in Relation zu der Position eines kleinen Teleskops, von dem aus wir uns auf unserer Reise in die korrekte Richtung orientieren.
 
Und Stefan Hagen lädt uns mit seinem Sternenbild auch ein, in die Situation mitzukommen, in der dieses Bild entstand:
Wir sehen aus der Perspektive eines Steines, aus einer irdischen Perspektive, die Sterne in einer mondlosen Wüstennacht in einer fast sechsstündigen Belichtung. Die Sterne sind hier Kreise, die Mechanik des Himmels ist klar erkennbar, wenn wir wie ein Stein ganz ruhig Zeit haben.
 
Es ist eine Einladung, für einen Moment wie so ein Stein zu werden, aus der Perspektive des KloHäuschens die Mechaniken des Himmels zu beobachten - und so zusammen mit dem KloHäuschen für einen Moment ganz bewußt Zentrum unseres Weltbildes zu sein.
 
Stefan Hagen, ursprünglich aus Süddeutschland, lebt und arbeitet als Fotograf seit 1989 in New York. In 2001 begann er die Einzigartigkeit der Fotografie, Licht zu sammeln, zu ergründen, was in einer Werkgruppe von Langzeitbelichtungen resultierte. Diese Langzeitbelichtungen sind oft nur einige Sekunden aufgenommen mit einer mitgeführten Kamera bis zu Zeugnissen von Wegen über mehrere Stunden und auch Tagen. Vor allem die Existenz des Menschen, sowohl als Beobachter, als auch als er selbst in Relation zu einer Landschaft ist sein zentrales Thema. Dieses Erforschen und Markieren einer Position im Raum führten ihn zwangsläufig dann auch zu Astronomie Beobachtungen in der Erweiterung des Weltbildes.
 
Der Polarstern ist sein Leitgestirn, metaphorisch als auch ganz mondän und praktisch um sich in der Wüste zurechtzufinden. Und hier, in der Wüste von Nevada hat er auch in 2012 ein Lebens- und Arbeitsraum geschaffen, der von der von ihm gegründeten Montello Foundation seit 2015 als Künstlerresidenz genutzt wird.

 

The Mechanics of the Heavens

Das KloHäuschen is observing the stars.
 
The artist Stefan Hagen is inviting us to observe the stars and the heavens together with the KloHäuschen.
 
If you look through the North window of the KloHäuschen, almost in the direction of Polaris, you can see the stars. They are there, you just canít always see them - there are clouds, and even when these are not there, there is that atmosphere. And even in a clear night in Munich, there are other lights, many of them. Thus, Stefan Hagen is bringing us an image of the stars, created far away from these lights, in the desert, Class 1 on the Bortle scale. For this installation, for the view through the North window, the angle and rotation is adjusted to the location of The KloHäuschen and the time of the year and exactly our time we will be observing. It is an image with an overwhelming amount of stars, we barely can distinguish between the bright and the brightest stars. The infinity of the amount becomes clear, the futility of our attempt to see the universe, the everything, is obvious.
 
Once we are engaged in the mechanics of the heavens, we canít deny that we have to honor the discovery leading to our modern view of the word, the discovery of the Jupiter moons by Galileo Galilei in 1610. It was finally the proof that not all objects are rotating around the earth. We are not the center, but we can participate and observe this wonder.
 
Stefan Hagen is bringing this wonder now into the KloHäuschen with autonomous moving installations. We can view Jupiter and its moons to scale and in real time, we can observe the stars through the KloHäuschenís little telescope, in just the right direction where the real stars are, and we can take in the phases of our Earthís moon. Itís all there, ticking away.
 
There is also a large photograph of the stars, but now from the perspective of a rock, from an earthly perspective, exposed for almost six hours in a moonless night. The stars are depicted here as segments of circles, the mechanics of the heavens are apparent, we just have to be as patient as a rock.
 
So this installation is an invitation to be that rock, to watch the heavens from the perspective of the KloHäuschen and be together with the KloHäuschen now the center of the universe.
 
Stefan Hagen, originally from Southern Germany, lives and works in New York since 1989. Using the unique ability of the photographic process to collect light resulted in an ongoing series works created with durational exposures. These exposures are sometimes done just in a couple of seconds, but also over hours and days; witnesses of time determined by a space, by his experience in that space and also by the observer viewing the photograph, entering that realm with him. This searching for a reference point led him then to observe wider fields and inevitably to astronomy, to a view of us in an universe.
 
Polaris is often his guiding star, metaphorical and sometimes quite mundane, for finding his way in the desert. He set up here in the desert of North East Nevada in 2012 a living and working space, used since 2015 by the Montello Foundation as an artist retreat to listen, observe and create.

 
 
 
  Maßnahmen zur Beseelung des Klohäuschens an der Großmarkthalle
Ein Projekt des realitaetsbüros, gefördert vom Kulturreferat der LH München.
 
 
   
 
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