Beichten & Batzen
 
Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung gehören zum Bußsakrament der römisch-katholischen Kirche zur Wiederherstellung der Taufgnade. Für das KloHäuschen adaptiert Iris Kleinschmidt die Idee dieses Rituals und entkoppelt es von seiner katholischen Bedeutung. Im Klohäuschen schafft sie einen intimen Raum, quasi das Gegenteil prunkvoller, geschichtsträchtiger oder religiöser Räume, um gemeinsam über Schuld und Vergebung im Hier und Jetzt an der Peripherie turbulenter Stadtexistenz nachzudenken. Als Teil ihrer Installation lädt sie ein Fehler zu formulieren und Verantwortung zu generieren.
 
Aus den Händen eines Kindes hat die Installation Erde erhalten – gebuddelt und in Eimer gefüllt. Sie wird den Besuchenden als Urmaterial der Schöpfung überreicht. In den Händen der Besuchenden materialisiert sich während eines angeleiteten künstlerischen Bußrituals der innere Zustand während der Bewusstwerdung eigener Schuld und deren emotionaler Bedeutung für gesellschaftliches Miteinander. Statt auf andere zu zeigen, zeigt die Installation zuerst auf die Anwesenden und fragt, wo wir es unterlassen haben, das Bestmögliche aus dem gemeinsam geschenkten Leben zu machen – aus Demut und aus Verantwortung uns selber gegenüber und der Welt.
 
Treten Sie ein! Nehmen Sie einen Klumpen Lehm – und schleudern sie ihn an die Wand oder lassen sie ihn zwischen Ihren Händen zerfließen – und dann? - Schenken Sie ihn uns – uns allen.
 
Iris Kleinschmidt lebt und arbeitet in Braunschweig, Eigenrieden und Berlin, wo sie für und gemeinsam mit Menschen aus vielfältigen kulturellen Kontexten künstlerische Formate entwickelt und veranstaltet.
 
 
The Depth Above – Die Tiefe darüber
 
Sabine Schlunk, D, München: "Gerockt im Regen"
Iris Kleinschmidt, D, Braunschweig: "Beichten&Batzen"
Moses Williams, USA, Nashville: "Orographic Light"
 
The Depth Above ist eine dreiteilige Serie mit Installationen und Performances entwicklet mit dem und für das KloHäuschen. Sabine Schlunk, Moses Williams und Iris Kleinschmidt starteten bereits 2010 ihre künstlerische Kollaboration in Nashville, Tennessee, als sie sich in dem legendären Kunstzentrum gallery F. trafen. Aus Wunsch, den Charakter der Kunstkolonie weiterzuführen und als Flucht aus einer übergreifenden Trump-Schock-Starre, entstand 2016 in München, in der Villa Waldberta das Projekt „Unbekanntes Land“.
 
2018 entwickelte sich im gemeinsamen Dialog ein neues Konzept auf ihrem Künstlerlandsitz in Thüringen: „The Depth Above“. Sie bespielen das KloHäuschen mit rituellen Situationen, wobei der Betrachter aktiv Teil einer zeremoniellen Erfahrung werden kann. Das KloHäuschen erinnert vom inhaltlichen Ansatz her an gallery F. Ein spezieller Ort, der das künstlerische Experiment herausfordert. Ein funktionaler (profaner) Ort, gebunden an die Geschichte eines Pissoirs wird in etwas grundsätzlich Neues verwandelt - ein Metapher für Transformation.