#44 - Katalin Marghescu : Mitteilungsbedürfnis
 

 
"Bedürfnisanstalt" ist der etwas altertümlich anmutende Name für eine Toilettenanlage im öffentlichen Raum. Man kann dort ein sehr dringendes, menschliches Bedürfnis erfüllen. Und warum nicht auch ein "Mitteilungsbedürfnis"?
 
Katalin Marghescu stellt diese Frage mit ihrer fünfteiligen Lesereihe in den weiß gekachelten Raum an der Münchner Großmarkthalle. Dabei geht es ihr weniger um den Text und dessen Rezeption, als um das Miteinander "Teilen" einer gemeinsamen Erfahrung. Entsprechend findet man dort auch keine "Darsteller" auf der einen, wie "Zuschauer" auf der anderen Seite, sondern nur "Teilnehmer". Und dazu zählt sich die Künstlerin auch selbst. Nicht alles, was sich da "abspielt", war von ihr "vorgesehen". Alle und alles dürfen "mitspielen": Vorbeifahrende Omnibusse. Tollende Kinder. Der Zufall. Oder das Wetter. Entsprechend vielschichtig gestalten sich die Interferenzen zwischen den einzelnen Teilnehmern, wird das "Sich-in-Bezug-auf-die-Anderen-wahrnehmen" der eigenen Wahrnehmung spürbar.
 
Das Bedürfnis, „sich“ mitzuteilen und eine Erfahrung mit anderen zu teilen, ist für Katalin Marghescu elementar. Es ist der Urstoff, aus dem jede Form zwischenmenschlicher Kommunikation gemacht ist. Dennoch wird das Mitteilungsbedürfnis gerade im Zeitalter sozialer Verbundenheit über das Internet bestenfalls "abgedeckt", im Sinne von „zu gedeckt", aber selten erfüllt. Diese Bedürfnislücke möchte die Künstlerin mit ihrer Lesereihe schließen.
 
Hinweise, Hintergedanken und Querverbindungen zur Entstehung und Entwicklung dieser Arbeit finden sich in dem Blog von MARKEMARGHESCU , den die Künstlerin mit interessierten Besuchern im Internet „teilt“. Schlüsselwörter sind: KLOHÄUSCHEN, INNENRÄUME, BEDÜRFNISSE, LEERE, AUFMERKSAMKEIT
 
Katalin Marghescu hat als Kreative in der Werbung gearbeitet, bevor sie mit MARKEMARGHESCU ihre eigene Marke gründete. Eine Marke, deren Bedeutungsgehalt nach allen Seiten hin offen ist und sich erst durch ihre Begegnungen, ihren Dialog mit anderen (...) “formt”. Schwerpunkt ihrer aktuellen Arbeit sind ko-laborative Modelle der Kommunikation.