#34 - Bloom
 
Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht. Simone de Beauvoir
 
Ihre Installation Bloom widmet Diane Kokoé Amah namenlosen Frauen, um deren persönlichen Geschichte hervor zu heben und lädt den Besucher dazu ein, am Leben dieser Frauen Teil zu haben. Die realen autobiografischen Geschichten sind die anderer fremder Menschen, die man nicht kennt - nah und doch sehr fern - inhaltlich teilweise oder ganz vertraut und doch anders - verständlich, aber doch weit weg. Und man ertappt sich bei den unterschiedlichsten Gedanken.
 
Egal welche Prägung, sie sind Teil einer großen Gemeinschaft, die eigentlich immer noch keine ist. Manche Frauen übernehmen zu wenig Einzelverantwortung, wirken immer noch zu wenig im Umfeld, tun selbst aktiv zu wenig
 
"Ich denke: sie lässt alles um sich herum geschehen."
"Meine Eltern haben mir eine Stelle als Praktikantin im Büro besorgt. Ich wäre lieber Stewardess geworden oder Krankenschwester oder hätte Medizin studiert."
"1988: Ich wachse behütet auf. 1989: wir ziehen schon wieder um - schrecklich, mein Bruder F. bleibt zurück und ich werde zum Einzelkind. Ich weine viel. Finde 1 Jahr lang keine Freunde."
"Im Vordergrund stand immer gehorchen zu müssen, keine eigenen (Lebens)-Vorstellungen zu haben und dem Bild zu entsprechen, welches sich die Mutter vorstellte. "
"Jede Missachtung wurde mit Liebesentzug und dem Gefühl nichts wert zu sein bestraft und ausgeübt."
 
In den autobiografischen Geschichten der fremden Frauen, mit einigen wenigen Sätzen oder mit kargen aber pointierten Worten formuliert, spiegelt sich der Kampf wieder einen eigenen Weg zu finden. Manche machten es mit kleinen Rebellionen aber die wenigsten lehnten sich wirklich auf. Die Erziehung - die meist von der Mutter dominiert zu sein scheint - spielt eine wichtige Rolle und so stellt sich die Frage, ob eben diese Frauen diese erlebte Erziehung an ihre Kinder weiter geben.
Die Geschichten, die eingingen, zeigen einige Parallelen: die meisten Frauen haben sehr an ihrer ersten Liebe gehangen, viele bekamen Kinder, einige haben den Tod eines engen Familienmitgliedes erlebt, wie den Tod des eigenen Kindes, des Neffen oder des nahestehenden Vaters. Deutliche Parallelen zeichnen sich auch bei den Erfahrungen mit Krieg, Leid, Wegzug von Zuhause, Exzessen und ständig wechselnden Jobs ab. Verfallen Frauen in ähnliche Rollen? Durchleben die meisten Frauen Rituale des Großwerdens und sind sie dadurch geprägt, dass die Eltern ein klares, wenn vielleicht auch nicht immer richtiges Bild davon haben wie sich ihre Tochter zu geben hat oder welche Rolle sie im Leben ihrer Familie spielen darf?
Geprägt überwiegend von einer verletzten Liebe oder dem Mangel daran durch die Mutter, haben einige dennoch einen beachtlichen Lebenslauf mit großen Aufgaben erfüllt. Es geht oft um das Kämpfen und die daraus resultierende Kraft, die eine Frau schöpft, um zu bestehen, Kinder groß zu ziehen, zu reflektieren und sich zurück zu stellen oder eben gerade nicht zurück zu stellen - einfach nur, um in ihrem Leben aufgehen zu können! Die Frage: "Was will ich eigentlich vom Leben?", kann zudem von vielen leider oft erst aus der Retrospektive beantwortet werden.
 
Diane Kokoé Amah hat Kunst in Atlanta, USA und in Paris studiert. Sie sieht in vielen Dingen grundlegende philosophische Ansätze und will zum Denken anregen. Sie arbeitet als Malerin in München. Das Projekt "Frauen leben", Grundlage dieser Installation und Interaktion, widmet sich seit 2009 der gesellschaftlichen Prägung von Frauen und deren Rollen in dieser Gesellschaft. Finden sich die Frauen zurecht und wenn ja, wie gut. Das Projekt wird stetig weiter geführt und wächst mit jeder Initiative, mit jeder Lebensgeschichte.