Warum das KloHäuschen kein Offspace ist ...
veröffentlicht am 12. September 2010 beim OFF/ON FORUM im Maximiliansforum München
 
Aktuell läuft dem KloHäuschen immer wieder eine Offspace-Diskussion über den Weg. "Offspace" ist dabei die Bezeichnung für einen Raum, in dem außerhalb vom etablierten Galerie- und Ausstellungsbetrieb Kunst gezeigt wird. Die Spielformen sind frei. Und auch wenn immer noch darum gestritten wird, ob ein Raum nun nur dann ein "Offspace" ist, wenn sein Betreiber keine Aufwandsentschädigung oder Förderung bekommt oder ob das davon unabhängig ist, so soll uns das hier nicht bedrücken.
 

Das KloHäuschen zu Gast beim OFF/ON FORUM - Treffen der Münhcner Offspaces
 
Denn für das KloHäuschen ist es ziemlich sonnenklar: es ist nach diesem Verständnis kein "Offspace". Und dies liegt nicht daran, daß seine Miete durch eine Förderunge der Stadt bezahlt werden kann. Sondern es liegt daran, daß den "Offspaces" (seien sie nun "anerkannt off" oder "radikal off", "moderat off" oder "off off") gemein ist, daß ihr erklärtes Ziel ist, daß in ihnen Kunst gezeigt wird. Dieses Ziel ist ihnen gemeinsam, egal ob sie Projekt oder Plattform oder Raum oder anders heißen. Es ist der vorrangige Zweck und Nutzen der "Offspaces" und jeder nähert sich diesem Ziel auf seine Weise an. Das Ausstellen und Zeigen von Kunst ist das Hauptziel eines "Offspace". Und dort möchte er sich auch aufhalten.
 
Das KloHäuschen ist aber an sich nicht dazu da, daß in ihm Kunst gezeigt wird. Es wird nicht genutzt, um Kunst - sei sie fest oder flüchtig- zu zeigen. Denn das KloHäuschen ist es selber. Es ist ein altes Klohäuschen, das nicht mehr benutzt wurde und eben so übrig war. Und es gibt keinen Grund, warum es ein Ziel vom KloHäuschen sein sollte, ein Ausstellungsraum zu sein oder einer zu werden. Denn darum geht es nicht.
 
Das KloHäuschen ist ein stillgelegtes KloHäuschen und ist zufrieden damit. Daß trotzdem immer wieder "Kunst" ins KloHäuschen kommt, das liegt daran, daß es entdeckt wurde. Das realitaetsbüro hat das KloHäuschen entdeckt. Als es entdeckt wurde, da war es zugesperrt und verdreckt. Und die halbe Decke war heruntergefallen und lag auf dem Boden als ein Haufen Schutt. Und das realitaetsbüro bzw. die heutige "Klofrau" liebte den Raum auf den ersten Blick. Nicht, weil man irgendwas draus machen könnte, sondern weil er so ist wie er ist. Weil es unglaublich ist, in einer dichten Stadt wie München so vergessene ca. 9 qm zu finden. Und weil das KloHäuschen noch dazu von sich aus schon eingerichtet und schön war.
 
Ein Raum ist schön wenn er verborgen ist. Und er ist auch real wenn er verborgen ist. Es ist eine gute Methode, verborgen zu sein und sich zu verstecken. Da wird man in Ruhe gelassen und nicht umgebaut. Aber einmal entdeckt ist es ein neues Spiel, sich aus dem Dornröschenschlaf erwecken zu lassen. Und Besuch zu bekommen. Sich mit anderen zu teilen. Und nichts anderes macht das realitaetsbüro. Es teilt das teilt das KloHäuschen und teilt es mit. Macht es für viele sichtbar. Seine Schönheit. Und wie es besonders ist. Teilen und Mitteilen.
 

OFF/ON FORUM Diskussionsrunde am 12.09.2010
 
Zum Teilen und Mitteilen gehören andere Menschen. Und es war naheliegend, erstmal die Künstler zu fragen, ob sie Lust haben, mit dem Raum zusammen was zu machen. Weil sich die Künstler mit Räumen und Schönheit und dem Umgang mit der Welt auseinandersetzen und sich dort doch auskennen. Aber am Ende sind gar nicht nur Künstler, sondern auch andere wie Wissenschaftler und Architekten zu Gast. Und haben Lust, mit den Möglichkeiten des KloHäuschens zu spielen. Und die Möglichkeiten immer wieder zu erweitern. In Zusammenarbeit mit dem KloHäuschen zeigen sie etwas von sich selbst. So kommt es zu ungeahnten Verbindungen und immer neuen Möglichkeiten. Weil jeder etwas ganz eigenes mit in den Raum hinein bringt. So werden alle sichtbar. Das KloHäuschen und seine Gäste.
 
An sich ist es damit sehr einfach. Das KloHäuschen ist da und ist es selber. Und die Menschen kommen und jeder ist er selber und sie machen was zusammen. Wobei das realitaetsbüro mitabeitet, denn es lädt die Gäste ein. Es kümmert sich und putzt. Und gießt die Blumen. Und wenn dann wieder ein Gast sein "Gastsein" im KloHäuschen feiert, dann schenkt das realitaetsbüro einen Prosecco aus oder ein Bier. Denn das haben wir uns wirklich von den Ausstellungsräumen abgekuckt. Es ist eine schöne Geste. Und wir feiern dann besonders den Gast. Und das KloHäuschen und seine Besucher. Und immer auch das Leben. Denn mehr macht auch das KloHäuschen nicht.
 
... und warum es dann trotzdem bei "ON/OFF" mitmacht
 
Auch wenn das KloHäuschen kein per se "Offspace", also kein Ausstellungsraum für Kunst ist, so hat es dennoch manches mit den "Offspaces" gemein. Es möchte mit so vielen Möglichkeiten wie möglich spielen. Und deshalb arbeitet es natürlich gerne mit den "Offspaces" zusammen. Denn genauso hat es schon mit den Denkmälern zusammen gearbeitet. Es findet Gemeinsamkeiten und erkennt darin auch seine Unterschiedlichkeit. Weil es nicht ausschließlich ist. So wie das Leben auch nicht ausschließlich ist. Wie käme es auch dazu.
 
München im September 2010
 
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